Regenbekleidung und Kopfbedeckung für Jagd und die neuen Materialien im Test – Teil 1

Von der DIN her gelten Materialien, die einer Wassersäule von 1300 mm standhalten, als wasserdicht. Gemessen wird die Wassersäule, indem ein Messzylinder über rund 10 Quadratzentimeter Stoff mit Wasser gefüllt wird. Viele Membranen erfüllen diese Voraussetzung, sie reicht vollkommen für einen Regentag. Nach meiner Erfahrung ist sie aber bei wirklicher Beanspruchung der Kleidung mit Wasser – etwa bei Wildnisjagden völlig ungenügend. Vor allem bei Jagdkleidung ohne Wasserschutz durch atmungsaktive Membranen ist spezielle Regenkleidung angebracht. Man kann natürlich Kleidung durch Teflon von DuPont oder Wachs wasserabweisend oder wasserdicht machen. Wachsmäntel (Grundmaterial Baumwolle) bieten einen guten Regenschutz. Wachs wird aber brüchig, und die Kleidung muss nachgewachst werden. Üblich bei Regenkleidung ist oft eine PVC-Beschichtung.

Regenschutz zieht man über normale Jagdkleidung. Hosenbeine sollten mittels Falte und Reißverschluss erweiterbar sein. Ein Gummizug am Hosenbein ist ideal. Regenschutzkleidung besteht oft aus Polyvenylchlorid (PVC) oder aus Nylon bzw. Polyurethan (PU) und Polyamid. Auch PU-Beschichtung auf einem Grundstoff ist üblich. Neben Hose und Jacke sind weite Ponchos mit Kapuze sehr zweckmäßig. Zu Ponchos sollte man aber zumindest Regenschutzbeinlinge tragen.
Als den wohl besten Regenschutz habe ich MT050 Gore-tex kennen gelernt. Er wird leider ausschließlich von Cabelas (cabelas*com) vertrieben. MT050 wird dabei mit einem Gore-tex-Laminat kombiniert. Die Jacke mit Kapuze und Hose ist extrem wasserdicht und schützt vor tagelangem Regen. Es ist eine Expeditionskleidung für Gebiete wie Nordkanada oder Alaska. Zum Transport sind Jacke und Hose klein zu verpacken. Sie haben innen Gitterstoff und außen kommt ein seidenweiches, fleeceartiges sowie geräuscharmes Material zur Anwendung.

Kopfbedeckung
Die Kopfbedeckung ist natürlich den Witterungsverhältnissen anzupassen. Hüte mit breiten Krempen lassen Regen gut ablaufen. Im Sommer genügt ein leichter Baumwollhut. Lange Perioden im Jahr genügt ein Filzhut.

Ich trage fast ausschließlich eine leicht gefütterte und isolierte Schirmmütze mit Gore-tex Membrane. Der Schirm schützt gut vor Regen, aber auch vor Sonnenlicht bei Schüssen gegen die Sonne. Die Mütze hat Ohrenklappen.

Bei eisiger Kälte gibt es Pelzmützen oder Lodenmützen mit dicker Fütterung und natürlich Ohrenklappen. Ich habe auch aktiven, digitalen Gehörschutz als Ohrenwärmer kennen gelernt. Dank der Mikrofone und Geräuschverstärkung kann man frühzeitig Wild anwechseln hören. Das Besondere daran, man kann recht gut die Richtung bestimmen, aus der Wild kommt.

Camouflage
Ein Wort zu den Tarnfarben. Die meist von Realtree entwickelten natürlichen Tarnmuster mit Laub- oder Astmuster haben gar nichts mit militärischen Tarnfarben gemeinsam. Die jagdliche Camouflagekleidung sieht nicht nur gut aus, sie ist zweckmäßig.

Tipp
Moderne Kleidung mit Membranen darf man nicht mit herkömmlichem Waschmittel waschen. Es gibt dafür spezielle „Gore-tex”-Waschmittel.

Einige Begriffe
Aquatex – Unter anderem in Sportchief Jagdkleidung (Import H. Hofmann, Mellrichstadt) verwendete Membrane mit ausgezeichnetem Wasserschutz und sehr guter Atmungsaktivität.

Baumwolle – Faser speichert bis zu 80% des Eigengewichtes Wasser. Das Manko: Durch Wasserspeichern quillt die Faser auf und schließt die Gewebeporen, sodass der Feuchtigkeitstransport nicht mehr stattfindet und der Schweiß auf der Haut bleibt.

Burlington MCS – Polyester-Polyamid-Gewebe mit Blocker-Eigenschaft für UV-Licht (UPF40+) sowie spezieller Dry-Funktion der Faseroberfläche.

Ceplex 10 000, 5 000 oder 2 000 – Ceplex ist eine mehrfache PU-Beschichtung aus unterschiedlichen Lagen, die mikroporös (Poren) sind. Sie lassen Wassermoleküle nicht durch, jedoch Wasserdampfmoleküle.

Coolmax – Kunstfaser von DuPont mit vier feinen Außenkanälen sowie vergrößerter Faseroberfläche. Kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und von der Haut wegleiten.

Cordura – Extrem reißfeste Faser, sehr abriebfest und klimaunempfindlich. Speichert kein Wasser.

Cordura Supplex – Verwebung von 160-D-Cordura Garnen in der Kette mit 160-D-Supplex Garnen, sodass ein außergewöhnlich leichtes Canvasgewebe entsteht. Es ist extrem reiß- und scheuerfest, hat jedoch auch die angenehmen baumwoll- artigen Trageeigenschaften sowie einen sehr hohen UV-Schutzfaktor. Das Gewebe trocknet sehr schnell und ist ideal für sommerlich-heiße Bedingungen.

Daunen – Echte Gänse-Daunen isolieren bestens, dürfen aber nicht nass werden. Meist kommt Daunen-/Federgemisch zur Anwendung. Verhältnis 90:10 ist ideal. Ungeschlagen vom Isoliervermögen zum leichten Gewicht.

Dry-Plus – Ein wasserdichtes, atmungsaktives Laminat. Es schützt sehr gut vor Nässe und Wind bei gleichzeitig guter Abgabe von Wasserdampf.

EKS – Kunstfaser, die in Blaser Unterwäsche verwendet wird. EKS absorbiert Feuchtigkeit, nimmt sie von der Haut und wandelt sie in Wärme um, ehe sie nach außen verdampft. Das Material trocknet sehr schnell.

Elastan – Elastische Faser aus Polyurethanbasis. Kommt in Stretchgeweben vor unter dem Markennamen Lycra.

Fiber-Pelz – Aus Polyester und Polyamid. Die Fasern umschließen Luft und halten warm.
Filz – Dichtes Vlies, das aus einzelnen Wollfasern unter Feuchtigkeit, Reibung und Wärme gewonnen wird. Nahezu winddicht, beste Isolation, scheuerfest und schwer.

Flexothane – Sehr leichtes, reißfestes Material mit Polyurethane Coating für Regenschutzkleidung (z. B, von Belano). Das Material ist leicht, elastisch und wasserdicht. Wasserdampf kann in geringem Maß nach außen dringen. Sehr robust.

Gewalkte Wolle – Ein um rund 40 Prozent geschrumpftes (leicht verfilztes) Material, das wie- , der mit natürlichem Wollfett ausgerüstet wird.

Gore-tex – Atmungsaktive Membrane, die von allen Membranen die größte „Wasserdichtheit” besitzen soll. Sie wird in Ausführungen wie 2-Ply oder 3-Ply auch als Laminat verwendet. Dieses kann die Atmungsaktivität erhöhen.

G-1000 – Reißfestes Obermaterial von Fjällräven aus 65% Polyester und 35% Baumwolle. Wird durch Wachs und Parafin wasserresistent oder mit Membranen kombiniert.
Hohlfasern – Sehen aus wie Spaghetti und ziehen Feuchtigkeit an (sind hydrophil). Die Hohlfasern leiten Feuchtigkeit ab.

Hydratic (Laminat/Coating/Liner) – Als Außenmaterial oder als Liner eingesetzt schützt es ebenfalls vor Wasser und lässt Wasserdampf durch (atmungsaktiv).

Hydrophile und hydrophobe Fasern – Ziehen Wasser an bzw. stoßen es ab. Diese Fasern speichern keine Feuchtigkeit und sind schnell trocken.

Kothor- Gewebe von LeChameau verwendet, das atmungsaktiv ist, aber vor Wind und Wasser schützt. Verwendet wird Teflon und reißfestes Cordura. Ein Laminat mit guten Schutzeigenschaften. Lambswool – Wolle der ersten Schur von max. 6 Monate alten Schafen.

Lycra – Ein elastisches Material von DuPont aus Polyurethane.
Merinowolle – Feinste Wolle, die es gibt. Ausschlaggebend ist die Faserlänge, deren Dicke und Glanz sowie Elastizität.

Microft – Verschieden kombinierte Fasern und Gewebe mit Polyestermikrofasern. Ist teils wärmend zur Körperseite hin. Je nach Faserkombination auch dehnbar und wasserabweisend.

Mikrofasern – Extrem feine Fasern aus Polyester oder Polyamid, die engmaschig verwebt sind (bis 8000 Fiamente pro Quadratzentimeter). Sie sind federleicht, seidenweich, reißfest, winddicht und stark wasserabstoßend (600 bis 800 Millimeter Wassersäule). Es sind Fasern für Stoffe der Ober-bekleidung.

Mischgewebe – Kombination von Kunstfasern mit Baumwolle. Durch Kunstfasern trocknet das Gewebe schneller und wird pflegeleichter, z. B. Satin (50% Baumwolle, 50% Polyester).

MT050 Gore-tex – Verwendetes Material ins Parkas und Hosen, die auch als Überziehregenkleidung verwendet werden können. MT050 ist ein sehr leichtes, geräuscharmes, fleeceartiges Obermatieral, das sehr reißfest ist. Das MT ist eine künstliche Baumwollnachahmung aus Polyamidfasern, das sehr reißfest und resistent ist. Es fasst sich seidenweich an und eignet sich in Kombination auch für kalte Tage. MT050 wird mit einem Gore-Tex-Laminat kombiniert. Die Kleidung ist extrem wasserdicht, auch bei tagelangem Regen. Dabei ist sie atmungsaktiv und gibt Wasserdampf gut ab. MT050 Gore-Tex-Kleidung lässt sich zum Transport klein Packen (z. B. Regenkleidung von Cabelas).

Regenbekleidung und Kopfbedeckung für Jagd und die neuen Materialien im Test – Teil 2

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