Was wirklich während der Jagd vor Nässe schützt – empfehlenswerte Information

Der Jäger ist Wind und Wetter ausgesetzt. Vor allem starker Regen macht ihm zu schaffen. Guter Regenschutz ist deshalb wichtig. Schließlich soll die Haut trocken bleiben.

Man friert oder bekommt kalte Füße vor allem durch Nässe und Verdunsten von Wasser. Die noch so gute Isolierung nützt nichts, wenn die Haut nass oder feucht ist. Je nach Anstrengung, der unser Körper ausgesetzt ist, kann Nässe und Feuchtigkeit sowohl von innen als auch außen kommen. Das Wärmeschutzsystem moderner Expeditionskleidung beruht deshalb auf Wegnahme von Feuchtigkeit auf der Haut. Die Haut muss salztrocken bleiben. Neben dem Nach-außen-Transportieren von Feuchtigkeit muss aber das Kleidungsmaterial selbst ebenfalls viel Feuchtigkeit speichern können, denn es gibt derzeit keinen Stoff bzw. kein Material, das bei guter Wärmeisolierung schnell genug große Feuchtigkeitsmengen abgeben kann. Ein kompliziertes Kleidungssystem und ein aufeinander abgestimmter Material mix ist nötig, um bei Bewegung und hoher Anstrengung trocken zu bleiben. Auf der anderen Seite soll die Kleidung vor dem Nach-innen-Dringen von Nässe schützen. Heute ist die Jagdkleidung häufig mit einem Nässeschutz versehen. Die meisten Hersteller werben gar mit Wasserdichtheit. Doch noch lange nicht halten alle Werbeslogans in der Praxis ihr Wort. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Regenschutz: einerseits einen in die Jagdjacke und -hose eingearbeiteten, andererseits spezielle Regenschutzkleidung zum Überziehen. Wer sich mit Regenschutzkleidung auseinandersetzt, muss grundsätzlich wissen, für welchen Einsatzzweck er sie benötigt. Es ist ein Unterschied, ob ich Regen- und Windschutz bei einer anstrengenden, tagelangen Gebirgsjagd in Alaska benötige oder nur für ein paar Stunden beim „Rehbockansitz” oder auf einem Drück- jagdstand. Will ich mich mit der Regenschutzkleidung bewegen, muss ich eine anstrengende Pirsch machen, oder soll sie mich vor dem Wasser nur beim Ansitz schützen? Darf der Regenschutz etwas „knistern”, oder ist Geräuscharmut äußerst wichtig? Wie so oft gibt es keine „Alleskönner” oder „Einen für Alles”.

Chevalier X-Warm Hose und Jacke für extrem kalte Taae

Wasserdichtheit
Von der DIN her gelten alle Materialien, die einer Wassersäule von 1300 mm standhalten als wasserdicht. Gemessen wird die Wassersäule, indem ein Messzylinder über rund 10 Quadratzentimeter Stoff mit Wasser gefüllt wird. Bei echter Beanspruchung der Kleidung ist dieser Wert völlig ungenügend.

Grundsätzliches
Man benützt Jagdjacken und -hosen mit einem Wasserschutz. Membranen sind nicht immer gefragt. Es gibt auch Kleidung mit einer wasserabweisenden Beschichtung. Sie haben den Vorteil hoher Geräuscharmut. Es gibt bei Bewegung kein Knistern der „Membrane”. Ferner wird eine hohe Atmungsaktivität gewährleistet. Man bewerkstelligt das einerseits durch dichtes Gewebe aus wasserabweisenden Stoffen wie Nylonfasern oder Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle. Ein so genanntes Rip-Stop-Gewebe gilt als besonders reißfest. Es wird alle fünf Millimeter durch dickere Fäden verstärkt. Eines der besten Gewebe ist G- 1000 von Fjäll Räven. Die Gewebematerialien haben den Vorteil, dass sie keine oder kaum Nässe aufnehmen und extrem schnell trocknen. Sie werden durch Wachs oder Teflon von DuPont zumindest wasserabweisend gemacht. Es ist auch eine PVC-Beschichtung üblich. Nach Abnutzung der Schutzschicht kann man diese wieder erneuern, bei Teflon durch einfaches Aufsprühen. Wachs wird erwärmt und „eingebügelt”. Es ergibt sich ein sehr guter Wasserschutz, der bestimmt für einen Regentag vollkommen ausreicht.

X-Warm Hose mit perfektem Rückenschutz

Wenig sinnvoll sind aber wasseraufsaugende Materialien wie LodenA/Volle. Sie trocknen zu langsam und nehmen Wasser zu stark auf. Englische Wachsjacken oder -mäntel bestehen hauptsächlich aus Baumwolle und haben eine dicke Wachsschicht (zu erneuern, wenn sie brüchig wird), die bestens vor Dauerregen schützt. Moderne Oberbekleidung für Jagdzwecke ist heute oft mit atmungsaktiven Membranen ausgestattet. Bei den heutigen Materialkompositionen sowie -verbänden bzw. den damit gefertigten Laminaten sind sie bei weitem nicht mehr so geräuschvoll wie früher. Ich hatte weder bei Pirsch auf Rotwild noch Fuchsansitz mit Membranen wie Gore-tex Probleme. Sie lassen feinen Wasserdampf nach außen abströmen und andererseits die großen Wassertropfen nicht durch. Sie werden gerne im Laminat oder mit weiteren Materialien zur Wärmeisolation verwendet. Membranen sollten in Oberjacken (Parka) verwendet werden, die nach dem Zwiebelschalenprinzip funktionieren. Das heißt, Innenjacken sollte man beliebig ein- oder auszippen können. Es macht wenig Sinn, Membranen in Lodenjacken und -hosen zu verwenden. Irgendwann saugt sich der Loden voll Wasser, wird schwer und trocknet langsam.

Die Membranen sollten mit hochwertigen, fleeceartigen Microfaserstoffen verwendet werden, die geräuscharm, sehr robust und reißfest sind sowie schnell trocknen. Das Material nimmt zudem nur wenig Feuchtigkeit auf und ist leicht. Membranen bieten einen erstklassigen Windschutz und, falls von hochwertiger Qualität (es gibt verschiedene Qualitätsstufen von ein- und derselben Membrane), auch einen sehr guten Nässeschutz. Ein paar Tage im Regen sollten kein Problem sein. Bei großer Anstrengung schaffen die Membranen natürlich nicht mehr die Ableitung der Körperfeuchtigkeit nach außen. Öffnungs-schlitze (z. B. unter Achseln an der Seite) mit wasserdichten Reißverschlüssen sollten Standard sein. Weiterhin muss die Unterkleidung auf die Oberkleidung abgestimmt sein. Es dürfen Microfasern nicht mit Naturfasern kombiniert werden.

Also keine Baumwollhemden oder Wollpullover anziehen, sondern Fleecehemden und/oder -jacke sowie Mircofaserunterwäsche. Es gibt Regenschutzklei-dung mit Membranen als Überziehkleidung. Sie ist auf ein geringes Packmaß zusammenfaltbar und kann bequem im Rucksack transportiert werden.

Traditioneller Regenschutz
Mehr traditionellen Regenschutz führt man zusammengelegt mit. Er wird über die „normale” Jagdkleidung übergezogen und dient rein zur Abweisung von Wasser. Er besteht aus wirklich wasserdichtem Material und schützt exzellent, er ist aber nicht oder kaum atmungsaktiv. Dafür lässt er Wasser aber auch bei stärkstem Dauerregen nicht durch. Man darf ihn aber keinesfalls zu spät anlegen, da die Kleidung darunter nicht nass sein sollte. Er ist wenig für anstrengende Pirschjagd geeignet. Vielmehr ist er beim Ansitz oder kurzer Pirsch ideal.

Allerdings sind die Materialien nicht sehr geräuscharm. Man muss bei nahestehendem Wild Bewegungen vorsichtig ausführen, damit keine zu lauten Geräusche entstehen. Die Regenschutzkleidung besteht oft aus PVC (Polyvenylchlorid) oder aus Nylon bzw. Polyurethan und Polyamid. Auch eine PU-Beschichtung auf einem Grundstoff kommt in Betracht. Ein Regenschutzponcho ist schnell angezogen und hat den Vorteil, einiges darunter verbergen zu können. Viele Ponchos haben gut schließbare Kapuzen. Ponchos eignen sich vor allem zum Ansitz. Sie sind auf Drückjagden sehr gut brauchbar, aber auch bei schwieriger Pirsch. Es gibt Ponchos, die für große Rucksäcke speziell ausgebildet sind. Wie bei Regenschutzjacken sollte man auch bei Ponchos Regenschutzhosen oder zumindest Beinlinge tragen. Das gilt vor allem bei starkem Regen und für den Ansitz.

Auf eine große Kapuze sollte man achten. Sie ist für einfachere Pirschgänge sowie Drückjagden gut geeignet. Es sei erwähnt, dass Kragen und Kapuzen an hochwertigen Jagdjacken mit Membranenschutz oft viel besser schließbar sind als an speziellen Regenschutzanzügen. Die Kapuze sollte vorne einen schirmartigen Vorsprung aufweisen, damit Wasser abtropfen kann. Ideal sind Sturmkapuzen, wie man sie an hochwertigen Jagdjacken findet. Für die Hände gibt es Gummihandschuhe, wie sie Fischer tragen (absoluter Wasserschutz) oder solche aus Neopren oder mit Membranenschutz („wärmer” isoliert). Sehr wichtig ist natürlich die Kopfbedeckung. Wasser sollte weder in den Nacken ablaufen, noch ins Gesicht tropfen. Zumindest sollte die Mütze einen langen, breiten Schirm haben (hinten schützt die Kapuze). Ideal sind rundherum sehr breitkrempige Hüte. Es kommen gewachste Hüte oder Mützen in Frage oder solche mit Membranenschutz.

Qualität entscheidet
Nicht alle Materialien einer Bezeichnung und auch nicht alle Kleidungsstücke aus demselben Material sind gleich. Von allen Stoffen gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen, über die sich die Kleidungshersteller meist ausschweigen. Neben hochwertiger Qualität des verwendeten Materials kommt es vor allem auf eine hochwertige Verarbeitung an. Ein Schwachpunkt sind die Nähte. Sie müssen unbedingt versiegelt sein oder verschweißt, damit keine Nässe eindringt. Ferner kennt man den bekannten Dochteffekt, das heißt, Feuchtigkeit wandert von unten nach oben, etwa vom Armbund auf der Innenseite den Arm entlang. Man sollte deshalb alle Öffnungen durch Klettverschlüsse oder Gummizüge am Armbund oder im Hüftbereich gut abdichten können. Reißverschlüsse sollten wasserdicht oder abgedeckt sein.

You may also like...